Die 6. bis 12. postop. Woche
Bei der Nachuntersuchung in der 6. postoperativen Woche
soll das Kniegelenk stabil sein, ein Streckdefizit ausgeschlossen werden und eine Beugung von etwa 120° erreicht werden.
Alle Aktivitäten des täglichen Lebens sollen schmerzfrei ausgeübt werden können.
Es kann mit einem schmerzabhängigen isotonischen Krafttraining begonnen werden, wenn die Übungen in einem geschlossenen System erfolgen und der Bewegungsumfang auf 0°-30°-90° eingeschränkt wird (keine volle Streckung im Kniegelenk!).
Dagegen sind jene isolierten Bewegungen im Kniegelenk unbedingt zu unterlassen, bei denen das Schienbein gegen einen oberhalb des Fußes angelegten Widerstand gestreckt wird (z.B. Beincurler). Bei Anlegen des Widerstandes handbreit unterhalb des Kniegelenkspaltes sind derartige Übungen sinnvoll.
Trainieren Sie immer im Wechsel das gesunde und das kranke Bein und wählen Sie den Widerstand so, dass das betroffene Bein unterhalb der Schmerzschwelle trainiert wird, das gesunde dagegen maximal belastet wird.
Im Rahmen des Krafttrainings kommt neben dem Training der Strecker vor allem dem Aufbau der Beugemuskulatur größte Bedeutung zu. Eine kräftige Beugemuskulatur führt über eine bessere Stabilisierung des Kniegelenkes zu einer Entlastung des vorderen Kreuzbandes.
Intensive Fortsetzung des Kraft- und Ausdauertrainings und Schulung der neuromuskulären Koordination, d.h. der reibungslosen Zusammenarbeit von Nerven und Muskeln ist unbedingt erforderlich, um einen kontrollierten Bewegungsablauf zu ermöglichen.
Seitliche Sprünge von einem leicht gebeugten Bein auf das andere bei ebenfalls nach vorne gebeugtem Oberkörper.
Ein leichtes Lauftraining auf ebenem Boden kann begonnen werden.
Sofern eine Knieorthese getragen wurde, kann diese nunmehr in der Wohnung weggelassen werden.
Zu diesem Zeitpunkt können erstmals Schmerzen im Bereich der Patella und der Patellasehne auftreten, sofern diese Sehne als Transplantat verwendet worden war. Es handelt sich um den Bezirk der Entnahmestelle Ihres Kreuzbandtransplantats. Dieser Defekt heilt langsam zu und kann in dieser Zeit bei stärkerer Belastung des Streckapparates Schmerzen verursachen. Man sollte hier nicht dagegen ankämpfen, sondern eine kurze Trainingspause machen, bzw. Übungen sich zeigen lassen, die den Streckapparat schonen. Gleichzeitig sollte lokal viel Eis angewandt werden. Die Schmerzen bilden sich so rasch zurück und man kann langsam wieder das volle Training aufnehmen.
Kommt es zu einer Verschlechterung der vorher guten Streckbarkeit des Knies, vergesellschaftet mit Schmerzen im vorderen Kniebereich, sollten Sie umgehend Ihren Chirurgen aufsuchen. Ursache könnte eine harmlose Geschwulst vor dem neuen Kreuzband sein, ein so genannter Zyklopstumor, der die Streckung behindert. Er müsste in diesem Fall eventuell arthroskopisch entfernt werden (Häufigkeit etwa 1,5 %, also recht selten).