Die ersten postoperativen Tage
Das Erreichen der vollen Streckung und der Rückgang der Schwellung des Kniegelenkes sind die mit Abstand wichtigsten Ziele in den ersten zwei Wochen.
Auf der Station werden unmittelbar nach der Operation Kühlkompressen angelegt.
Die Lagerung des Beines sollte zumindest mehrmals täglich in einer sog. Bewegungs - Motorschiene mit elektrischem Antrieb erfolgen (continous passive motion, daher auch CPM-Schiene genannt). Es muß dabei von Beginn an darauf geachtet werden, möglichst rasch die volle Streckstellung zu erhalten. Die Beugung wird in der Regel bei 90 Grad begrenzt.
Nach der Lagerung auf der Motorschiene wird das Bein im Bett in Überstreckstellung gelagert und das Fußende des Bettes hochgestellt (Knie auf Herzniveau), um einem Streckdefizit von Beginn an entgegenzuwirken und die nach dem OP auftretende Schwellung möglichst gering zu halten. Diese Lagerung sollte bis zum Rückgang der Schwellung des Kniegelenkes beibehalten werden, auch während der Nacht. Bei stärkeren Beschwerden im Knie oder in der Kniekehle kann diese Streckposition durch Unterlage eines kleinen Kissens zeitweise unterbrochen werden.
Versuchen Sie so oft wie möglich während des Liegens Ihre Wadenmuskulatur anzuspannen. Durch den dadurch verursachten Pumpeffekt verhindern Sie das Entstehen von Thrombosen, also die Entwicklung von Blutgerinnseln in den Wadenvenen.
Schon am Abend des OP-Tages sollten Sie, sofern es Ihr Kreislauf zulässt, mit Hilfe einer Schwester oder eines Pflegers aufstehen und versuchen mit Gehhilfen zu laufen.
2. - 3. Tag nach Operation:
Beginn der Krankengymnastik und der Lymphdrainage
Erreichen der vollen Streckung und Rückgang der Schwellung des Kniegelenkes sind die mit Abstand wichtigsten Ziele in den ersten zwei Wochen.
Zusätzlich zur passiven Bewegung mit der CPM-Motorschiene wird nun mit der aktiven Bewegungstherapie des betroffenen Kniegelenkes im schmerzfreien Bereich begonnen. Nach der Entfernung der Drainagen aus dem Gelenk (in der Regel am 2. Tag nach der Operation) wird diese Therapie intensiviert, bis im Idealfall nach einigen Tagen ein Bewegungsumfang von 0-90° erreicht ist.
Versuchen Sie von Anfang an die Beuge- und Streckmuskeln anzuspannen, bis 10 zu zählen und dann langsam wieder zu entspannen (sog. Kokontraktion). In den ersten zwei Tagen werden Sie dabei große Mühe haben, da Ihnen der Quadricepsmuskel nicht gehorchen will. Versuchen Sie es trotzdem immer wieder, er wird nach vielen Versuchen Ihrem Kommando folgen.
Die Belastung des operierten Gelenkes sollte bereits in dieser frühen Phase möglichst voll erfolgen. Sie werden in der ersten Woche allerdings trotzdem mit Gehhilfen laufen, belasten Sie das Bein dabei schmerzabhängig bis zur Vollbelastung. Die Gehhilfen können weggelassen werden, sobald Sie einen normalen, nicht hinkenden Gang erreicht haben. In den ersten Tagen wird bereits mit einer Lymphdrainage (Entstauungstherapie) begonnen.
Von den Übungsphasen abgesehen sollten Sie in den ersten Tagen nach der Operation im Bett bleiben und das gestreckte Bein hochlagern und kontinuierlich kühlen. Allzu häufiges Aufstehen und Umherlaufen oder langes Sitzen mit herabhängendem Bein führt nur zu einer erneuten Zunahme von Schwellung und Schmerz, wodurch die Rehabilitation verzögert wird.
Die volle aktive Streckung im Kniegelenk soll von Anfang an regelmäßig geübt werden, indem der Fuß im Bett auf ein Kissen gelegt wird. Trotz der Beherzigung dieser Maßnahmen müssen Sie damit rechnen, dass Ihr Knie und Unterschenkel mehr oder wenige stark anschwellen. Dies ist durch Einsickern von Blut aus den Knochenkanälen bedingt, verbunden mit Überwärmung, da das umliegende Gewebe versucht, den Bluterguss aktiv abzubauen. Und jeder aktive Prozess ist nun einmal mit Wärmebildung verbunden.