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24.05.2019 Sie befinden sich hier: Kniegelenk / Vorderes Kreuzband / 
Vorderes Kreuzband

Warum sollte operiert werden ?

Das vordere Kreuzband dient in erster Linie zur Stabilisierung des Unterschenkels nach vorne, d.h. es verhindert während der Bewegung ein Vorgleiten des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel.

Aber: Kein Band am Kniegelenk ist allein für eine bestimmte Stabilität oder für eine bestimmte Stabilisierungsrichtung verantwortlich. Reißt der primäre Stabilisator (Kreuzband), so können zumindest anfangs so genannte sekundäre Stabilisatoren (andere Bänder, Muskelsehnen) dessen Funktion übernehmen. Aus diesem Grund ist nach einer Kreuzbandverletzung der gezielte Muskelaufbau vor allem des Oberschenkels so wichtig.

Bei anhaltender Belastung (= sportlicher Aktivität) kommt es aber im Verlauf von Jahren meist zu einer Auslockerung auch dieser Haltekräfte aus der zweiten Linie und damit zum Fortschreiten der Instabilität. Nur in seltenen Fällen sind diese sekundären Stabilisatoren anlagebedingt so stark ausgeprägt, daß sie die Funktion des Kreuzbandes ein Leben lang übernehmen können (Die amerikanische Literatur spricht dabei vom "Kreuzbandunabhängigen Knie"). Diese Patienten bedürften an sich keiner Operation, leider lässt sich dies aber nur im Nachhinein feststellen.

Vor allem bei uneingeschränkt fortgesetzter sportlicher Aktivität stellt sich also eine signifikante Zunahme der funktionellen Knieinstabilität ein und die Wiederverletzungsrate erhöht sich. Proportional zum Ausmaß der Instabilität nimmt mit der Zeit die Zahl der sekundären Meniskusrisse  sowie das Ausmaß der Gelenkknorpelschädigungen zu.

 Sekundäre Meniskusschäden, sekundäre Schäden der Gelenkknorpeloberflächen sowie ein zunehmender Instabilitätsgrad im täglichen Leben sind die Folge. Am Ende steht die irreparable Gelenksabnützung und die Kniegelenksprothese.

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Wer sollte operiert werden ?

Die Indikationsstellung zum Kreuzbandersatz muß von Fall zu Fall individuell beurteilt werden. Zu berücksichtigen sind dabei etliche Faktoren, wie Alter, sportliche Ambitionen, Ausmaß der Verletzung, Begleitverletzungen u.v.m.

 Aufgrund der oben angeführten Tatsachen ist heute in der Unfallchirurgie allgemein Anerkannt, daß die frische Verletzung des vorderen Kreuzbandes beim körperlich aktiven Patienten operativ behandelt werden sollten, insbesondere dann, wenn zusätzliche Bandläsionen vorliegen.

  1. Jungen, körperlich aktiven Menschen, insbesondere natürlich Berufssportlern, ist die Operation dringend anzuraten.
  2. Menschen mittleren Alters (30-50 Jahre) mit höheren sportlichen Ansprüchen ist die Operation ebenfalls anzuraten.
  3. Bei geringen oder fehlenden sportlichen Ambitionen ist in dieser Altersgruppe individuell vorzugehen: hier sollte in erster Linie dann operiert werden, wenn bereits im Alltag Instabilitätsbeschwerden auftreten (sog. "giving way"- Attacken - das subjektive Gefühl, daß das Knie bei bestimmten Bewegungen nicht hält) oder auch wenn Begleitverletzungen im Gelenk vorliegen.

Prinzipiell ist das Lebensalter keine Limitierung beim Kreuzbandersatz. Jedoch werden ab dem 50. bis 60. Lebensjahr in der Regel die Ansprüche, die an das Kniegelenk gestellt werden, deutlich geringer und die Rehabilitationsphase nach einer Operation immer länger. Die Indikation zur Kreuzbandoperation wird daher in dieser Altersgruppe seltener. Bei bereits fortgeschrittenen Abnützungen des Gelenkes beim älteren Patienten ist wohl in den meisten Fällen eine Kreuzbandoperation nicht mehr sinnvoll. In diesen Fällen wird man eher an einen Gelenksersatz denken.

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Wann sollte operiert werden ?

Früher wurde der Kreuzbandersatz meist unmittelbar nach dem Unfall durchgeführt. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß es dadurch postoperativ vermehrt zu Verwachsungen im Gelenk gekommen ist, die zu Bewegungseinschränkungen geführt haben. Diese Verwachsungen konnten zwar gelöst werden, machten jedoch eine zweite Arthroskopie nötig.

Heute wird empfohlen, den Eingriff frühestens 4-6 Wochen nach dem Unfall durchzuführen.

Erst dann sind alle entzündlichen Reparaturvorgänge im Gelenk abgeschlossen und damit die Gefahr von Verwachsungen vermindert. Bis zur Operation sollte eine physikalische Therapie begonnen werden, um von Seiten der Muskulatur und der Gelenksbeweglichkeit optimale Voraussetzungen für die postoperative Rehabilitation zu schaffen.

Zu lange sollte mit dem Eingriff jedoch auch nicht gewartet werden, da - abhängig von der Gelenksbeanspruchung - nach ca. einem Jahr bereits mit Folgeschäden im Gelenk gerechnet werden muß (Meniskus, Knorpel,..)

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