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14.11.2018 Sie befinden sich hier: Unterschenkel / Anatomie / 
Unterschenkel - Anatomie

Allgemeines zum Unterschenkel und Fuß

In der Entwicklungsgeschichte sind Hand und Fuß von sehr ähnlichen historischen Anlagen abzuleiten.

Im Laufe der Evolution allerdings hat die Stützfunktion des Fußes beim Menschen - der alleine (unter allen anderen Säugetieren) dauernd aufrecht zu gehen vermag - eine solche Besonderheiten gegenüber der Hand entwickelt, daß der menschliche Fuß - neben dem Gehirn - das hervorstechendste Merkmal der menschlichen Spezies geworden ist

Bei keinem anderen Säugetier außer beim Menschen sind Greifen und Stützen so spezifisch auf Hand und Fuß verteilt. Der anthropomorphe Affe beispielsweise zeigt ebenfalls - zumindest zeitweilig - aufrechtem Gang, hat aber immer noch einen Greiffuß und eine Stützhand, d. h. jede Extremität hat beide Funktionen, wenn auch in verschiedenem Ausmaß.

Die Entwicklung des aufrechten Ganges des Menschen hat letztlich dazu geführt, daß die dafür erforderlichen Eigenschaften auf kosten der Greiffunktion gefördert wurden. So ist der Fuß zum reinen Stützorgan, die Hand zum reinen Greiforgan geworden. Aus dieser Entwicklung ergibt sich auch, daß Das System: Unterschenkel + Fuß biologisch so scharf abgegrenzt ist, daß es nur im Zusammenhang betrachtet werden kann.

In der Folge will ich nun kurz auf die unterschiedliche Entwicklung der oberen und der unteren Extremitäten eingehen.

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Fuß versus Hand

Beide, Hand wie auch Fuß, sind dadurch gekennzeichnet, daß sie selbst relativ wenig Muskelmasse beinhalten. Dafür aber überbrücken zahlreiche Sehnen von außerhalb liegenden mächtigen Muskelmassen die Hand- und Fußwurzel - zahlreicher als sonstwo am Körper. Diese Sehnen setzen - gleichsam als Transmissionsriemen - von weit her die Endabschnitte der Glieder in Bewegung  (lange Muskeln am Unterarm und am Unterschenkel).

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Die obere, körpernahe (proximale) Ausdehnung dieser Muskelmaschinen hat beim Bein eine wesentlich andere Grenze als am Arm.

Die langen Hand- und Fingermuskeln sind größtenteils am Oberarmknochen (Humerus) befestigt. Sie überspringen also außer dem Handgelenk (und den weiter distal gelegenen Fingergelenken) auch das Ellenbogengelenk.

Die langen Fuß- und Zehenmuskeln bleiben aber größtenteils auf den Unterschenkel beschränkt (nur 2 Muskeln, der Musculus Gastrocnemius und der Musculus Plantaris, greifen auf den Oberschenkel über, ohne einen wirklichen Einfluß auf die Bewegungen des Kniegelenkes zu haben).

Das Ellenbogen- und Handgelenk stehen deshalb in einer viel engeren Abhängigkeit voneinander als das Knie- und Fußgelenk. Was schon in der Gemeinsamkeit von zahlreichen Muskeln für Ellenbogen und Hand zutage tritt, das tritt bei den Gelenken selbst in organischer Wechselwirkung besonders deutlich hervor.

Die 2 Freiheitsgrade des Handgelenkes (Strecken - Beugen) werden durch die Pro- und Supination (Handfläche nach unten - Handfläche nach oben) um einen 3. Grad erweitert, so daß die Hand insgesamt - als Ergebnis dieser drei Freiheitsgrade - alle Freiheiten eines Kugelgelenkes erhält.

Pronation - Supination: Umwendbewegung der beiden Unterarmknochen umeinander, was dazu führt, daß die Handfläche von der Stellung nach oben (Supination) in die Stellung nach unten (Pronation) übergeführt werden kann.

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Was diese Pro- und Supination des Unterarmes an Bewegungsmöglichkeit für die Hand leistet, das ist in einem gewissen Grad auch im Fuß möglich, nur mit ganz anderen Mitteln.

Bezeichnenderweise wird im medizinischen Sprachgebrauch immer davon ausgegangen, daß wir die Großzehe vom Fußboden nach oben heben und um die Längsachse des Fußes herumbewegen können, wie wir dies mit dem Daumen tun, wenn wir den Handteller analog der auf dem Boden ruhenden Fußsohle auf eine flache Unterlage legen.

Bei der Hand nennt man diese Bewegung Supination. Beim Fuß heißt sie ebenfalls Supination die entgegengesetzte Bewegung, bei welcher die Kleinzehe und der äußere Fußrand gehoben werden, heißt Pronation. 

Am Arm wie am Bein sind die ausführenden Motoren in beiden Fällen ausschließlich oder vornehmlich die langen Muskeln. Der Laie kann leicht den Eindruck gewinnen, die Hand könne sich selbst um ihre Längsachse drehen. In Wahrheit kann das Handgelenk beim Lebenden niemals zu einer reinen Rotation benutzt werden. Diese findet ausschließlich im Arm statt. Pro- und Supination des Fußes sind dagegen ausschließlich im Fuß selbst lokalisiert.

Man überzeuge sich am eigenen Fuß: Wir können wohl die Fußspitze heben und senken, ohne die Fußränder gegeneinander zu heben oder zu senken. Diese einfache Scharnierbewegung ist aber auch die einzige, welche im Fuß ohne Rotation möglich ist. Sowie wir die Fußspitze in anderer Richtung als in reiner Hebung und Senkung bewegen - und wir können sie auf einer Kugelfläche herumführen, wie wenn der Fuß mit einem Kugelgelenk am Unterschenkel befestigt wäre (Fußrollen) -, so treten zwangläufige Mitbewegungen der Fußränder hinzu (Pro- und Supination des Fußes). Freilich muß man, um sich nicht zu täuschen, die Knöchel fixieren. Denn entgegengesetzte Bewegungen im Knie- oder Hüftgelenk können die Drehungen des Fußes um seine Längsachse verdecken; am Fuß selbst sind sie unausbleiblich.

 

Mit diesen Ausführungen sollte gezeigt werden, daß das innere Getriebe für die Hand bei voller Freiheit ihrer Beweglichkeit weit am Arm hinaufgreift und das Ellenbogengelenk mit einbezieht, daß dagegen der Fuß alle Freiheit der Bewegung in sich hat. Es braucht kein übergreifen der Bewegungen über die Fußwurzel hinaus nach oben hin stattzufinden, um dem Fuß eine der ihm überhaupt möglichen Stellungen zu geben.

Wir können wohl durch Bewegungen des Beines den Fuß mitbewegen und dadurch reine Fußbewegungen steigern oder ersetzen; aber es kommt dadurch nicht so essentiell Neues hinzu wie bei der Hand etwa durch die Pro- und Supinationen im Unterarm.

Der Unterschenkel konnte auf diesem Wege in die Säule des Beines als festes Bauelement hineingepasst werden. Zusätzlich wurden die beiden parallelen Knochen, aus denen der Unterschenkel besteht, dahin spezialisiert, daß nur einer, das Schienbein, Stützorgan ist und mit dem Oberschenkelknochen (Femur) zusammen zur starren Tragsäule für den Körper vereinigt wird, wenn das Bein sich im Kniegelenk streckt (Standbein).

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