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15.09.2019 Sie befinden sich hier: Kniegelenk / Streckapparat - Knie / Brüche der Kniescheibe / 
Kniescheibenbrüche

Aufgrund der exponierten Lage und der gewaltigen Muskelkräfte, die hier wirken, sind Verletzungen der Kniescheibe (lat. Patella) keine ganz seltenen Verletzungen. Nach oben hin zieht einer der kräftigsten Muskeln des menschlichen Körpers (4-köpfiger Oberschenkelstreckmuskel - Musculus quadriceps femoris), nach unten hin wird sie von einem kräftigen, unelastischen Band an das Schienbei fixiert (Kniescheibenband - Ligamentum patellae). Das führt vor allem bei Kniegelenksbeugung zu enormen Zug- und Druckbelastungen.

Diese Belastungen können leicht dazu führen, daß die Kniescheibe bei verletztem oder zu schwachem Bandapparat aus ihrem Lager springt und verrenkt.

In seltenen Fällen können plötzliche sehr starke Muskelanspannungen sogar zu einer "Zerreissung" der Kniescheibe, d. h. zu einem Kniescheibenbruch führen

Die exponierte Lage vor dem Kniegelenk mit der harten Unterlage der Oberschenkelknorren führt dazu, daß bei Stoß auf das Kniegelenk die Kniescheibe meist der erste Körperteil ist, der getroffen wird.

Die häufigsten Verletzungen sind demnach



Prinzipielles

Klassischer Querbruch der Kniescheibe im seitlichen Röntgenbild

Als Ursachen von Kniescheibenbrüchen kommen in erster Linie in Frage:

  • direkter Anprall (Sturz auf das gebeugte Knie, Armaturenbrett-Verletzungen)
  • selten indirekt durch plötzliche maximale Anspannung des Oberschenkelstreckmuskels bei gebeugtem Knie

Im Prinzip handelt es sich bei Kniescheibenbrüchen um eine mehr oder minder komplette Durchtrennung des Streckapparates des Kniegelenkes. Das führt dazu, daß es durch den Zug der Muskulatur meist zu einem starken Auseinanderweichen der Bruchstücke kommt.

Die Therapie ist daher in der Regel eine Operation, im Rahmen derer die Bruchstücke wieder aneinander gefügt und so fixiert werden.

Eine konservative (= nicht operative) Therapie kommt nur in den seltenen Fällen in Frage, wo keine Verschiebung der Bruchstücke besteht und das Knie gestreckt werden kann.



Therapie

Konservative (=nicht operative) Therapie:

  • Ruhigstellung - meist im Gipsverband - für 4 bis 6 Wochen.

kommt, wie bereits erwähnt, nur dann in Frage, wenn die Kniescheibe zwar gebrochen ist, die Haltebänder der Kniescheibe aber intakt sind, so daß die Bruchstücke nicht auseinanderweichen und eine Streckung des Kniegelenkes weiter möglich


Operative Therapie

Ziel der Operation ist es, die einzelnen Bruchstücke möglichst exakt aneinanderzufügen und so fest zu verbinden, daß eine (Gips-)Ruhigstellung nicht - oder nur möglichst kurz - notwendig ist.

Besonders wichtig ist dabei, die Hinterfläche (= die Fläche, die dem Gelenk zugekehrt ist) möglichst ohne Stufe und ohne Defekte im Knorpelüberzug wiederherzustellen. Bereits kleine Stufen und Kanten führen aufgrund der starken Druckbelastungen bei Bewegung zu einem ständigen "Kratzen" im Kniescheiben - Oberschenkel - Gelenk und damit unweigerlich zur rasch fortschreitenden Arthrose.

Eine solche vollkommene Wiederherstellung der Gelenksfläche gelingt bei den einfacheren Bruchformen, insbes. bei den sehr häufigen Querbrüchen, in den meisten Fällen.

Die Verbindung und Fixierung der Bruchstücke untereinander kann mit verschiedensten Materialien erfolgen: Meist kommen Drähte und Schrauben zur Anwendung, gelegentlich werden kleine Bruchstücke auch mit selbst auflösenden (resorbierbaren) Stiften fixiert. Welche Materialien verwendet werden hängt dabei in erster Linie von der Art des Bruches ab (kein Knochenbruch gleicht exakt einem zweiten) und letztlich auch von den Vorlieben des Chirurgen. Es gilt - wie bei den meisten Operationen bei Knochenbrüchen: Viele Wege können zum Erfolg führen. 

Bei zunehmender Komplexizität der Brüche - bei Vorliegen vieler einzelner Bruchstücke, wobei manche so klein sind, daß sie nich fixiert werden können, andere zusammengedrückt oder überhaupt fehlend sind - kann der Versuch einer Wiederherstellung der Gelenksfläche aber auch sehr schwer bis unmöglich sein. In sochen Fällen ist gelegentlich die teilweise oder gänzliche Entfernung der Kniescheibe (lat. Patellektomie) die bessere Wahl für die Zukunft des gesamten Kniegelenkes.