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15.09.2019 Sie befinden sich hier: Kniegelenk / Streckapparat - Knie / Verletzung der Patellasehne / 
Verletzung der Patellasehne


Allgemeines

Die Ruptur des Lig. patellae ist meist im Sinne einer "Spontanruptur" eines vorgeschädigten Bandes zu verstehen.

Als prädisponierende Faktoren gelten v.a. Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, Gicht, Adipositas), akute Infektionen (Typhus, Scharlach, schwere Pneumonien etc.), chronische Entzündungsprozesse (Polyarthritis, Osteomyelitis etc.) oder übersteigerte Abnutzungsvorgänge (Arthrosis deformans, Durchblutungsstörungen, Eiweißmangel etc.)

Als weiterer Faktor der einen Riß dieses Bandes begünstigt gilt langzeitige Kortisontherapie.

 





Erscheinungsbild und Diagnose

Ein Riss der Patellasehne trifft wesentlich häufiger Männer als Frauen. Ursache ist in der Regel eine brüske Anspannung des Oberschenkel-Streckmuskels, häufig bei maximaler Kniebeugung.

Bei der Befragung wird von dem Patienten im Moment der Bandruptur ein peitschenschlagartiger Schmerz im Kniebereich angegeben und die Unfähigkeit, sich auf dem verletzten Bein zu erheben. Eine Belastung des betroffenen Beines ist nur noch in Überstreckung möglich. In Rückenlage kann das gestreckte Bein nicht mehr von der Unterlage abgehoben werden. In den ersten Stunden nach dem Unfall ist häufig eine Dellenbildung in Höhe der Ruptur des Lig. patellae tastbar. Später wird dieser Befund durch die entstehende Schwellung verwischt.

Die Kniescheibe steht besonders bei Kontraktion des Oberschenkel-Streckmuskels deutlich höher als die der unverletzten Seite. Dieser Befund ist auch röntgenologisch leicht im Vergleich zur gesunden Seite diagnostizierbar.



Therapie

Naht der Patellasehne und Drahtsicherungsnaht

Absolute Indikation zur Operation

Der komplette Riss der Patellasehne stellt eine absolute Indikation zur operativen Versorgung dar. Dies wird in der med. Literatur einhellig zum Ausdruck gebracht.

Der Grund ist der, dass bei konservativer (nicht-operativer) Therapie der Zug der mächtigen Oberschenkelstreckmuskulatur ( M. quadriceps femoris) in jedem Fall eine Dehiszenz der rupturierten Bandenden bewirkt. Eine Therapie ohne Operation kann somit auch mit konsequenter Ruhigstellung des betroffenen Beines über längere Zeit letztlich nur zu der Ausbildung eines insuffizienten Narbengewebes als Überbrückung der Rupturstelle führen. Die Gefahr besteht dann in der verlängerten Vernarbung der Patellasehne mit konsekutivem Streckdefizit, d.h. dem Unvermögen, das Knie kraftvoll zu strecken.

Operationsmethode

In den meisten Fällen ist eine direkte Naht (auch bei ausgefransten Bandenden) möglich.  Zur Nahtsicherung ist sehr häufig eine temporäre Entlastungsnaht, im Regelfall in Form einer Drahtschlinge, erforderlich. Eine Methode ist die schlingenförmige Durchführung eines Drahtes durch quere Bohrkanäle an der Kniescheibe und Tuberositas tibiae. Der Sinn dieser Sicherungsnaht ist der, eine nachträgliche Verlängerung des Bandes in jedem Fall zu vermeiden. Die Drahtnaht muß in einem zweiten Eingriff nach einigen Wochen wieder entfernt werden.



Nachbehandlung

Bei fester Verankerung der sichernden Drahtschlinge und bei nicht zu starker Vorschädigung der Sehne kann eine funktionelle Nachbehandlung ohne Gipsruhigstellung ab dem dritten postoperativen Tag erfolgen. Meist wird dazu eine sog. Orthese angelegt, die eine limitierte, genau einstellbare Beweglichkeit im Kniegelenk zuläßt. Ein aktives Strecken im Kniegelenk gegen Wiederstand ist jedoch in den ersten 6 Wochen nach der Operation in jedem Fall zu vermeiden.

Bei unsicheren Stabilitätsverhältnissen ist eine äußere Ruhigstellung durch einen Gipsverband für etwa 6 Wochen erforderlich.