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15.09.2019 Sie befinden sich hier: Kniegelenk / Kniegelenk - Anatomie / Kapsel, Bänder / 
Gelenkskapsel und Verstärkungsbänder

Die Gelenkskapsel ist eine faserige straffe Umhüllung des Kniegelenkes, die das Gelenk erst zu einer wirklichen "Höhle" macht. Alle Knorpeltragenden Gelenksanteile werden in dieser Höhle eingeschlossen, vor allem an der Vorderseite reicht sie bis über die Kniescheibe hinaus.
Auf die exakte Beschreibung des Verlaufes der Kapsel an den einzelnen Knochen wird hier verzichtet, er kann aber den diversen Abbildungen entnommen werden.

Diese "Höhlenbildung" macht eine Gelenksspiegelung (Arthroskopie) überhaupt erst möglich, da ein Raum gebildet wird der durch Überdruck (Wasser oder Gas) aufgebläht und mit einem optischen Gerät inspiziert werden kann.


In der Normalstellung des Kniegelenkes (Streckung) sind die hinteren Kapselteile gespannt, bei ca. 25 Grad Beugung ist die Kapsel am meisten entspannt (daher nehmen erkrankte Gelenke reflexartig diese Ruhestellung ein). Bei starker Beugung schmerzt das erkrankte Gelenk, weil dabei am wenigsten Raum in der Kapsel ist.


D.h. die Gelenkskapsel fasst den größten Inhalt bei einer leichten Beugestellung von 20-30 Grad. In diese Lage gerät das Gelenk von selbst, wenn man eine Flüssigkeit einspritzt oder wenn ein krankhafter Flüssigkeitserguß auftritt. In letzteren Fall wird eine hufeisenförmige Schwellung um die Kniescheibe sichtbar, diese selbst schwimmt auf dem Flüssigkeitskissen und weicht beim Druck aus - dieses Symptom wird als "Tanzende Patella" bezeichnet.


Diese Gelenkskapsel wird durch zahlreiche sog. Bänder verstärkt, die einerseits verdickungen der Kapsel darstellen, andererseits durch die Einstrahlung von Sehnen der Oberschenkelmuskel entstehen, von denen ein Teil hier endet. Von diesen Bändern müssen die wichtigsten hier dargestellt werden:

  1. Das Kniescheibenband (Ligamentum patellae)
  2. Das Innenseitenband (Ligamentum collaterale mediale)
  3. Das Aussenseitenband (Ligamentum collaterale laterale)
  4. Das schräge Kniekehlenband (Ligamentum popliteum obliquum)
  5. Das bogenförmige Kniekehlenband (Ligamentum popliteum arcuatum)
  6. Die Inneren und äusseren Kniescheibenhaltebänder (Retinaculum patellae)

1. Das starke Kniescheibenband (Ligamentum patellae) ist etwa 5-6 cm lang, 2-3 cm breit und 0,5 cm dick und verläuft von der abwärts gerichteten Spitze der Kniescheibe zu einem kleinen Knochenvorsprung am Schienbein knapp unterhalb des Kniegelenkes (zur sogenannten Tuberositas tibiae).
Das Band stellt zusammen mit der Kniescheibe das Endstück der Sehne des Oberschenkel-Streckmuskels (Muskulus Quadriceps femoris) an der vorderseite des Oberschenkels dar und ist für die Streckung im Kniegelenk verantwortlich.


2. Das Innenseitenband (Ligamentum collaterale mediale) nimmt seinen Ursprung von der Aussenseite des inneren Oberschenkelknorrens und verläuft deutlich breiter werdend nach unten. Hier setzt es mit den vorderen Faserzügen am Schienbein, mit den kürzeren hinteren Fasern am Innenmeniskus an.

NB: Bei Bändern spricht man wie bei Muskeln von "Ursprung" und "Ansatz" und meint damit die Stellen, an denen die Bänder mit dem Knochen verwachsen sind.

Bei Streckung im Kniegelenk sind alle Fasern, bei der Beugung nur die hinteren, kürzeren gespannt. Bei zunehmender Beugung wird zudem das Ansatz feld der kurzen Fasern unter das der langen verlagert.
Das hat eine Konsequenz bei langer Ruhigstellung des Gelenkes (Gipsverband): hier kann es zu Verwachsungen zwischen diesen Schichten kommen, was zu erheblichen Bewegungseinschränkungen führen kann.


3. das Aussenseitenband (Ligamentum collaterale laterale) zieht von der Aussenseite des äusseren Oberschenkelknorrens zum Köpfchen des Wadenbeines. Es ist drehrund und im Gegensatz zum Innenseitenband nicht mit der Gelenkskapsel verwachsen. Zwischen Kapsel und Band zieht vielmehr die Sehne eines für die Kniestabilität ebenfalls enorm wichtigen Muskels, des Kniekehlenmuskels (Muskulus popliteus).Auf diesen Muskel wird später noch einzugehen sein.



4. Das schräge Kniekehlenband (Ligamentum popliteum obliquum) wird von Fasern der Sehne eines in die Gelenkskapsel einstrahlenden Muskels (Muskulus semimembranosus) gebildet und verstärkt die Gelenkskapsel von hinten.

5. Das bogenförmige Kniekehlenband (Ligamentum popliteum arcuatum)

6. Die inneren und äußeren Rückhaltebänder der Kniescheibe (Retinacula patellae mediale et laterale)verlaufen zwischen der Kniescheibe und den Seitenbändern. Das äußere Band ist noch durch eine lange Sehnenplatte, die die gesamte außenseite des Oberschenkels entlangläuft (Tractus iliotibialis)verstärkt. Beide Bänder bestehen aus oberflächlichen Längszügen und tiefen Querzügen und halten die Kniescheibe in ihrem Gleitlager.

Bei einem Bruch der Kniescheibe ermöglichen diese Bänder noch eine gewisse Streckung des Kniegelenkes, deshalb werden sie gelegentlich auch als "zusätzlicher (akzessorischer) Streckapparat" bezeichnet.

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