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10.12.2019 Sie befinden sich hier: Sprunggelenk / Bandverletzungen-Sprunggelenk / 
Riss der Aussenknöchelbänder

Noch vor einigen jahren galt jeder Riss der Aussenknöchelseitenbänder als klare Indikation zur raschen Operation. Dies kann aus heutiger Sicht aber nicht mehr akzeptiert werden. Heute ist es vielmehr so, daß die Operationsindikation sehr viel differenzierter und in Abhängigkeit vom Patienten und vom Ausmaß der Verletzung gestellt wird.


Bänder der Aussenknöchelregion
Ausgeprägte Instabilität mit hochpositiver gehaltener Aufnahme am rechten Bild

Bei ausgedehnter Verletzung, das heißt bei Verletzung mehrerer Bänder und möglicherweise auch der Gelenkskapsel ist auch heute noch die Operation anzuraten, da ansonsten ein instabiles Gelenk (häufiges "Umkippen") droht. Zudem sind soche Verletzungen gelegentlich auch begleitet von therapiebedürftigen Verletzungen des Gelenksknorpels.

Das Verletzungsausmaß kann abgeschätzt werden durch sogenannte "gehaltene Röntgen-Aufnahmen": Dabei wird versucht, das Gelenk in likaler Betäubung gegen den Wiederstand der Bänder "aufzuklappen" Das Ausmaß, inwieweit dies möglich ist, gibt Auskunft über die schwere der Bandverletzung. Die Richtung der Aufklappbarkeit zeigt an, welche Bänder von der Verletzung betroffen sind.

Jedoch nicht nur die operative, sondern auch die konservative (=nicht operative) Therapie muß individuell erfolgen. Die Palette reicht hier von mehrwöchiger Gipsruhigstellung (in der Regel 6 Wochen) über den Schutz des Gelenkes durch verschiedenste Schienen oder Spzialschuhe bis zur physikalischen Therapie ohne jede Ruhigstellung.



Wer sollte operiert werden ?

Die Indikationsstellung zur Bandnaht muß von Fall zu Fall individuell beurteilt werden. Zu berücksichtigen sind dabei - wie bei den meisten Gelenksverletzungen, die Bänder betreffenb - etliche Faktoren, wie Alter, sportliche Ambitionen, Ausmaß der Verletzung, Begleitverletzungen u.v.m.

Aufgrund der oben angeführten Tatsachen ist heute in der Unfallchirurgie allgemein anerkannt, daß die frische Verletzung der Aussenknöchelseitenbänder nur beim körperlich aktiven Patienten und bei entsprechender Verletzungsschwere operativ behandelt werden sollten.

Jungen, körperlich aktiven Menschen, insbesondere natürlich Berufssportlern, ist die Operation dringend anzuraten, sobald eine massive Aufklppbarkeit des Gelenkes vorliegt und somit auf eine schwere Verletzung mehrerer Bänder, ev. auch der Gelenkskapsel und der umliegenden Sehnen hindeutet.

Menschen mittleren Alters (30-50 Jahre) mit höheren sportlichen Ansprüchen ist unter diesen Umständen die Operation ebenfalls anzuraten.

Bei geringen oder fehlenden sportlichen Ambitionen ist in dieser Altersgruppe individuell vorzugehen: hier sollte in erster Linie dann operiert werden, wenn bereits im Alltag Instabilitätsbeschwerden auftreten (Sehr häufiges "Umknicken" im Alltag mit nachfolgender starker Schwellung und Schmerzen) oder auch wenn Begleitverletzungen im Gelenk vorliegen.

Prinzipiell ist das Lebensalter keine Limitierung bei der Bandnaht. Jedoch werden ab dem 50. bis 60. Lebensjahr in der Regel die Ansprüche, die an das gesamte Bein gestellt werden, deutlich geringer und die Rehabilitationsphase nach einer Operation immer länger. Die Indikation zur Bandnaht oder Bandplastik wird daher in dieser Altersgruppe deutlich seltener. Bei bereits fortgeschrittenen Abnützungen des Gelenkes beim älteren Patienten ist wohl in den meisten Fällen eine Kreuzbandoperation nicht mehr sinnvoll. In diesen Fällen wird man eher an eine Gelenksversteifung oder seit neuestem an einen Gelenksersatz denken.