Anatomie
des Sprunggelenkes
und des Fußes

Das Sprunggelenk stellt die Verbindung zwischen Unterschenkel und Fuß dar. Am Skelett des Fußes unterscheidet man Fusswurzel (Tarsus), Mittelfuß (Metatarsus) mit seinen 5 Mittelfussknochen und anschließend die Zehenglieder (Phalangen).

Interessant für das Verständnis der Funktion des Fußes ist die unterschiedliche Differenzierung zwischen Hand und Fuß im Laufe der Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere: Die Hand ist zum Greiforgan, der Fuß zum Stützorgan geworden, und diese Sondierung aus einem ursprünglich gleichartigen Zustand ist beim Menschen so weit gegangen, wie bei keinem anderen Wirbeltier. (Noch die anthropoiden Affen, die zeitweilig aufrecht gehen können, benutzen die Hand als Stütze und den Fuß zum Greifen).

Der Verlust der Greiffunktion beim Fuß drückt sich aus in einer Verkümmerung der Glieder der Zehen (Phalangen). Den Ausbau zur Stützfunktion erkennt man besonders in der mächtigen Entfaltung der Fußwurzelknochen und in der Verstärkung des inneren Fußrandes, wobei der erste Strahl im Vergleich zum Daumen seine Beweglichkeit einbüßt. Die Festigkeit dieses ersten Strahles (erster Mittelfußknochen und Großzehe) ist für den Stand und Gang notwendig.

Auch die Stellung des Fußes zum Unterschenkel ist auf die (Unterstützungs)Funktion bezogen: Zur Gewinnung einer Unterstützungsfläche (die nach Wegfall der Stützfunktion der Arme entsprechend vergrößert werden muß) ist der Fuß rechtwinkelig zum Unterschenkel gestellt, so daß die Fußsohle (Planta pedis) mit dem Boden in Berührung kommt - Damit ist der Mensch ein Sohlengänger.

Das Sprunggelenk selbst unterteilt sich anatomisch in zwei Hauptgelenke:

  1. Das obere Sprunggelenk
  2. das untere Sprunggelenk

Das obere Sprunggelenk stellt die Verbindung zwischen den Unterschenkelknochen und dem Sprungbein (Talus) dar. In diesem "Scharnier" erfolgt das Heben und Senken der Fußspitze.

Das andere Hauptgelenk ist das untere Sprunggelenk, das zwar anatomisch in zwei Unterabteilungen zerfällt, funktionell aber eine Einheit bildet. In diesem Gelenk bewegt sich der Fuß gegen das Sprungbein im Sinne einer Hebung des inneren Fußrandes (Supination) bzw. einer Hebung des äußeren Fußrandes (Pronation).

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Die Fusswurzel

Das Skelett der menschlichen Fußwurzel setzt sich aus sieben einzelnen Knochen zusammen, die durch zahlreiche Bänder, Sehnen und Muskel miteinander verbunden sind:

  1. Das Sprungbein (Talus)
  2. Das Fersenbein (Calcaneus)
  3. Das Kahnbein (Os naviculare)
  4. Die drei Keilbeine (os cuneiforme mediale, intermedium, laterale)
  5. Das Würfelbein (Os cuboideum)

Dem prinzipiellen Organisationsplan des Fußes muß die größte Wichtigkeit beigemessen werden, da nur aus ihm heraus krankhafte und verletzungsbedingte Veränderungen zu verstehen sind.

Die Gabel der Unterschenkelknochen verbindet sich nur mit dem Sprungbein (Talus). Das ist möglich, da die beiden körpernahen (proximalen) Fußwurzelknochen nicht nebeneinender liegen wie im ursprünglichen Zustand (und auch an der Hand), sondern übereinander: Das Sprungbein (Talus) ruht auf seinem ursprünglichen Nachbarn, dem Fersenbein (Calcaneus).
Wir haben also - von hinten betrachtet - zwei Stockwerke von Fußwurzelknochen. Erst der an das Sprungbein sich körperferne (distal) sich anschließende Großzehenstrahl (1. Mittelfußknochen) berührt mit seinem Kopf den Boden. So kommt innen ein hohes Fußgewölbe zustande, das von dem erhöht gelegenen Sprungbein seinen Ausgang nimmt, während aussen nur ein flacher Gewölbebogen besteht. Auch in querer Richtung ist ein Gewölbe ausgebildet.

Verfolgt man die fünf Strahlen des Mittelfusses in die Fußwurzelknochen hinein, gelangt man von den drei inneren Strahlen über die drei Keilbeine und das Kahnbein aufwärts zum Sprungbein. Die beiden äusseren Strahlen lassen sich dagegen über das Würfelbein zum tiefer gelegenen Fersenbein verfolgen.

An keinem Glied des Körpers kann man so deutlich die Abstimmung eines funktionellen Systems von Knochen, Bändern, Muskel und Sehnen beobachten wie am Fuß. Jeder Teil trägt und stützt den anderen, jede Störung des Gleichgewichtszustandes, wie z.B. die Lähmung eines Muskels, führt zu Stellungsänderungen und in der Folge zu Verformungen des ganzen Fußes.
So kann eine kleine angeborene oder erworbene Verdrehung des Fersenbeines in seiner Längsrichtung zu einem Abrutschen des Sprungbeines Führen - das Ergebnis ist der Plattfuß oder Senkfuß, bei dem der Patient mit seiner ganzen Sohle auftritt und das Fußgewölbe mehr oder weniger verschwunden ist.

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Das obere Sprunggelenk

Das obere Sprunggelenk besteht aus der Verbindung der beiden Unterschenkelknochen mit dem Sprungbein. Die unteren Enden des Schien- und Wadenbeines umfassen dabei das Sprungbein wie eine Klammer. Das unterste Ende des Wadenbeines wird deshalb als Aussenknöchel und das unterste Ende des Schienbeines als Innenknöchel bezeichnet.

Die beiden Knochen der Klammer (Schienbein und Wadenbein) sind im Bereich des oberen Sprunggelenkes durch sehr straffes Bindegewebe in einer Bendhaft federnd verbunden. Diese Bandverbindungen zwischen Schien- und Wadenbein werden in ihrer Gesamtheit als fibulotibiale Syndesmose, oder einfach als Syndesmosenbänder oder auch nur als Syndesmose bezeichnet. Durch sie erhält das Gelenk eine sehr große Sicherheit und Festigkeit.

Wie jedes Scharniergelenk hat auch das obere Sprunggelenk Seitenbänder, die von der Spitze der Knöchel fächerförmig ausstrahlen und auf das Sprungbein (Talus) und das Fersenbein (Calcaneus) treffen. Die zum Fersenbein ziehenden mittleren Stränge beider Seitenbänder überspringen dabei beide Sprunggelenke.

Die Seitenbänder des Sprunggelenkes

1. Das Innenseitenband wird als deltaförmiges Band (Ligamentum deltoideum) bezeichnet. Von seinem Ursprung an der Spitze des Innenknöchels zieht es einheitliche, dicke, dreieckige Platte fächerförmig nach unter und setzt am Sprungbein und am Fersenbein an.

2. Die Bandführung am Aussenknöchel (ligamentum collaterale laterale) zerfällt deutlicher als das Innenseitenband in drei Stränge, und setzt sich somit aus drei selbständigen, parallelfasrigen Einzelbändern zusammen.

Ihren Ursprung nehmen alle drei Bänder von der Aussenknöchelspitze, je ein Band zieht nach vorne und hinten zum Sprungbein, das dritte, mittlere Band abwärts zum Fersenbein. Die Einzelbänder werden dabei nach den durch sie verbundenen Knochen benannt: Ligamentum talofibulare anterius und posterius, Ligamentum calcaneofibulare.

Durch diese Anordnung der Bänder ist gewährleistet, daß immer ein Teil beider Seitenbänder bei allen Bewegungen im oberen Sprunggelenk gespannt bleibt, so daß eine sichere Führung zustande kommt.

Die stärkste Beanspruchung erleiden die Seitenbänder, wenn der Fuß z.B. in einer Wegfurche, zwischen Steinen oder am Schi hängen bleibt und der Körper mach innen oder aussen umfällt. Bei diesem Umkippen halten oft die Bänder stand, während ein Knochenstück am Bandansatz ausreißt. Diese Rissbrüche der Knöchel sind ein Zeichen für die enorme Festigkeit der Bänder.

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Das untere Sprunggelenk

Das unter Sprunggelenk ist ein recht komplex aufgebautes Gelenk, das eigentlich aus mehreren Gelenken zusammengesetzt ist. Da es sich aber um eine funktionelle Einheit handelt, wird es trotzdem als ein Gelenk, eben das untere Sprunggelenk, betrachtet.

Anatomisch handelt es sich um zwei vollkommen voneinander getrennte Gelenke:

  1. die Gelenkverbindung zwischen Sprungbein und Fersenbein im hinteren Abschnitt, und
  2. vorne aus dem Gelenk zwischen Sprungbein, Fersenbein und Kahnbein.

1. Der hintere Abschnitt des Gelenkes wird auch als "Gelenk unter dem Sprungbein" (Articulatio subtalaris) bezeichnet und besteht aus der konvexen hinteren Gelenksfläche des Fersenbeines und der entsprechenden konkaven Gelenksfläche des Sprungbeines.

2. Der vordere Gelenksabschnitt besteht wie jedes Gelenk aus einem Gelenkskopf und einer Gelenkspfanne. Allerdings wird hier die Gelenkspfanne aus mehreren Teilen zusammengesetzt, während der Gelenkskopf nur durch den Sprungbeinkopf gebildet wird.
Die Gelenkspfanne wird im wesentlichen gebildet aus der vorderen Gelenksfläche des Fersenbeines und der Gelenksfläche des Kahnbeines (Os naviculare). Damit das Sprungbein und das Kahnbein durch den Druck des Sprungbeinkopfes nicht auseinanderweichen können, sind sie unten durch ein starkes Band, das sog. Pfannenband (Ligamentum calcaneonaviculare plantare) verbunden. Dieses Band ist neben den beiden Knochen ebenfalls an der Bildung der Gelenkspfanne beteiligt und daher zum Teil mit Knorpel überzogen.

Die Spannung dieses Bandes ist wichtig für den Zusammenhalt des Gelenkbettes. Bei einer Erschlaffung des Bandes, die allerdings niemals isoliert auftritt, werden das Abrutschen und Tiefertreten des Sprungbeines, also die Bildung des Plattfußes, begünstigt ("Plattfußband")

Durch die Zusammenfügung aus zwei Knochen und einem Band wird die Gelenkspfanne etwas nachgiebig, so daß sie kleine Inkongruenzen zwischen Kopf und Pfanne, die bei der Bewegung auftreten, ausgleichen und den festen Schluß im Gelenk gewährleisten kann.

Neben diesen wichtigsten Bändern existieren noch zahlreiche, sehr straffe Bandverbindungen zwischen den einzelnen Fußwurzelknochen und dem unteren Sprunggelenk. Deren Aufzählung würde den Rahmen hier deutlich sprengen, überdies kommt ihnen für das Verständnis der wichtigsten Verletzungen nur untergeordnete Bedeutung zu. Ich muß daher hier bei vertieftem Interesse auf die einschlägige anatomische Literatur verweisen.

 

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Sprunggelenk(von aussen = lateral)
Knöchernes Skelet - Unterschenkelknochen vom Knie bis zum oberen Sprunggelenk
Sprunggelenk(von aussen = lateral)
Knöchernes Skelet - Sprunggelenk, Fusswurzel und Mittelfuss von aussen (= lateral)
Sprunggelenk(von aussen = lateral)
Knöchernes Skelet - Sprunggelenk, Fusswurzel und Mittelfuss von innen (= medial)
Sprunggelenk(von aussen = lateral)
Die Bänder des Sprunggelenkes und des Fusses - von aussen (= lateral)