Die Typische Nachbehandlung
nach einer Kreuzbandoperation

Es soll hier die derzeit typische Nachbehandlung nach einer Kreuzband - Ersatzoperation ( Kreuzbandplastik ) dargestellt werden.

Ich muß aber darauf hinweisen, daß die Rehabilitation heute zwar nahezu weltweit im Wesentlichen nach diesem Schema durchgeführt wird, in Einzelpunkten jedoch auch deutlich von dem hier geschilderten Vorgehen abweichen kann, da immer individuelle Abweichungen von Seiten der Verletzung wie auch der operativen Versorgung zu berücksichtigen sind.

Die ersten postoperativen Tage

Auf der Station werden unmittelbar nach der Operation Kühlkompressen angelegt.

Die Lagerung des Beines sollte zumindest mehrmals täglich in einer in einer sog. Bewegungs - Motorschiene mit elektrischem Antrieb erfolgen (continous passive motion, daher auch CPM-Schiene genannt). Es muß dabei von Beginn an darauf geachtet werden, möglichst rasch die volle Streckstellung zu erhalten. Die Beugung wird in der Regel bei 90 Grad begrenzt.

Nach der Lagerung auf der Motorschiene wird das Bein im Bett in Überstreckstellung gelagert und das Fußende des Bettes hochgestellt (Knie auf Herzniveau), um einem Streckdefizit von Beginn an entgegenzuwirken und die nach dem OP auftretende Schwellung möglichst gering zu halten. Diese Lagerung sollte bis zum Rückgang der Schwellung des Kniegelenkes beibehalten werden, auch während der Nacht. Bei stärkeren Beschwerden im Knie oder in der Kniekehle kann diese Streckposition durch Unterlage eines kleinen Kissens zeitweise unterbrochen werden.

Versuchen Sie so oft wie möglich während des Liegens Ihre Wadenmuskulatur anzuspannen. Durch den dadurch verursachten Pumpeffekt verhindern Sie das Entstehen von Thrombosen, also die Entwicklung von Blutgerinnseln in den Wadenvenen.

Schon am Abend des OP-Tages sollten Sie, sofern es Ihr Kreislauf zulässt, mit Hilfe einer Schwester oder eines Pflegers aufstehen und versuchen mit Gehhilfen zu laufen.

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2. - 3. Tag nach Operation:

Beginn der Krankengymnastik und der Lymphdrainage

Erreichen der vollen Streckung und Rückgang der Schwellung des Kniegelenkes sind die mit Abstand wichtigsten Ziele in den ersten zwei Wochen.

Zusätzlich zur passiven Bewegung mit der CPM-Motorschiene wird nun mit der aktiven Bewegungstherapie des betroffenen Kniegelenkes im schmerzfreien Bereich begonnen. Nach der Entfernung der Drainagen aus dem Gelenk (in der Regel am 2. Tag nach der Operation) wird diese Therapie intensiviert, bis im Idealfall nach einigen Tagen ein Bewegungsumfang von 0-90° erreicht ist.

Versuchen Sie von Anfang an die Beuge- und Streckmuskeln anzuspannen, bis 10 zu zählen und dann langsam wieder zu entspannen (sog. Kokontraktion). In den ersten zwei Tagen werden Sie dabei große Mühe haben, da Ihnen der Quadricepsmuskel nicht gehorchen will. Versuchen Sie es trotzdem immer wieder, er wird nach vielen Versuchen Ihrem Kommando folgen.

Die Belastung des operierten Gelenkes sollte bereits in dieser frühen Phase möglichst voll erfolgen. Sie werden in der ersten Woche allerdings trotzdem mit Gehhilfen laufen, belasten Sie das Bein dabei schmerzabhängig bis zur Vollbelastung. Die Gehhilfen können weggelassen werden, sobald Sie einen normalen, nicht hinkenden Gang erreicht haben. In den ersten Tagen wird bereits mit einer Lymphdrainage (Entstauungstherapie) begonnen.

Von den Übungsphasen abgesehen sollten Sie in den ersten Tagen nach der Operation im Bett bleiben und das gestreckte Bein hochlagern und kontinuierlich kühlen. Allzu häufiges Aufstehen und Umherlaufen oder langes Sitzen mit herabhängendem Bein führt nur zu einer erneuten Zunahme von Schwellung und Schmerz, wodurch die Rehabilitation verzögert wird.

Die volle aktive Streckung im Kniegelenk soll von Anfang an regelmäßig geübt werden, indem der Fuß im Bett auf ein Kissen gelegt wird. Trotz der Beherzigung dieser Maßnahmen müssen Sie damit rechnen, dass Ihr Knie und Unterschenkel mehr oder wenige stark anschwellen. Dies ist durch Einsickern von Blut aus den Knochenkanälen bedingt, verbunden mit Überwärmung, da das umliegende Gewebe versucht, den Bluterguss aktiv abzubauen. Und jeder aktive Prozess ist nun einmal mit Wärmebildung verbunden.

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Die erste postoperative Woche
3.-5. Tag nach der Operation

Nachdem der Ruheschmerz nachgelassen hat, können Sie jetzt im Wechsel mit isometrischen Muskelkraftübungen des gesunden und des kranken Beines beginnen: Spannen Sie dazu im Liegen die gesamte Beinmuskulatur, und zwar Beuger und Strecker (so genannte Koaktivation), des leicht gebeugten Beines maximal an, und versuchen Sie die Spannung etwa 10 Sekunden zu halten. Tasten Sie mit den Händen Ihre Oberschenkelbeuger und -Strecker. Sie sollten sich - wie oben schon ausgeführt - als Zeichen der Anspannung hart anfühlen. Sie sollten jedoch keine Schmerzen im Entnahmebereich der Beugesehnen verspüren, sonst haben Sie die Übung zu kraftvoll gemacht. Wiederholen Sie diese Übungen mehrmals stündlich.

Üben Sie mehrfach täglich unter Abstützung an einem Geländer oder einem Tisch den beidseitigen Zehenstand jeweils 10 Sekunden, wobei Beuger und Strecker simultan angespannt werden sollte, kurze Pause, wieder 10 Sekunden, so oft wie möglich über den Tag wiederholen. Dabei empfiehlt es sich anfangs sich mit den Händen an einer Wand abzustützen, bis es ohne geht.

Der Einsatz eines elektrischen Muskelstimulators ist von Fall zu Fall zu überlegen, insbesondere dann, wenn Sie nicht in der Lage sind Ihre Muskulatur willkürlich anzuspannen. Während jeder elektrischen Stimulation muss gleichzeitig versucht werden den Muskel maximal anzuspannen.

Treten während oder nach dem Üben ausgeprägte Unterschenkel- oder Weichteilschwellungen im Kniebereich auf, ist dies ein Zeichen dafür, dass Sie zuviel gelaufen sind und das Bein nicht ausreichend lange hochgelagert haben. Machen Sie in diesem Fall eine Pause von ein bis zwei Tagen und beschränken Sie sich auf Übungen im Bett.

Ein Kniegelenkserguss sollte punktiert werden, wenn er Spannung im Knie verursacht bzw. unangenehmen Druck ausübt oder sich nicht von selbst zurückbildet.

In diese Phase entfällt meist auch die Entlassung aus der Stationären Pflege, d.h. aus dem Krankenhaus. Voraussetzung dafür ist:

  1. kein Ruheschmerz
  2. Volle oder nahezu volle Streckung im operierten Kniegelenk
  3. gestrecktes Heben des operierten Beines möglich
  4. volle Belastung mir oder ohne Krücken

 

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Die zweite postoperative Woche

6. - 10. Tag nach Operation

Nun erfolgt die Intensivierung der krankengymnastischen Übungen und der Beginn der Trainingstherapie.

Einbeiniges Üben mit dem gesunden Bein auf dem Fahrradergometer oder einem Rudergerät während das verletzte Bein abgestellt wird. Zusätzlich kann auf dem Treppensteigegerät geübt werden.

Im geschlossenen kinetischen System (z.B. Beinpresse, Fahrradergometer, Treppensteiggerät) haben Sie stets mit dem Fuß Bodenkontakt und spannen bei Übungen immer automatisch auch in gewissem Umfang Ihre Beuger an, während Sie im offenen kinetischen System ohne Fußkontakt gegen einen Widerstand arbeiten.

Isokinetische Übungen (offenes System) sollten während der ersten drei Monate unterbleiben.

Durchgeführt werden also Kniebeugen, aktive Beuge- und Streckübungen auf dem Schlingentisch. Bei unzureichender Streckung kann die Beinstreckung in Bauchlage geübt werden, dabei hängt der Unterschenkel über das Ende der Liege hinaus und kann mit einem Gewicht beschwert werden, um die volle Streckung (aber nicht Überstreckung) zu erreichen. Dies sollte aber keine Beschwerden auslösen.

Kräftigung der gesamten Oberschenkelmuskulatur, insbesondere des Muskulus Vastus medialis, unter Einschluss von Adduktoren sowie Hüftbeugern und Streckern mit Gummibändern (TheraBand). Bei allen genannten Übungen soll das Gummiband um die Mitte des Oberschenkels gelegt werden. Während der Übungsausführung ist das Bein im Kniegelenk leicht angewinkelt zu halten. So wird eine unzulässige Belastung des Kniegelenks vermieden.

Zwischen den einzelnen Übungen Kühlen des Kniegelenkes. Tritt dennoch erneut eine Schwellung auf, sollten Sie Kälteakkus anlegen und das Bein hochlegen. Die Schwellung ist das erste Zeichen für eine Überbelastung.

Außerdem kann jetzt schon unter Verwendung eines wasserfesten Schutzverbandes im Bewegungsbad gejoggt werden (Aquajogging): Langsames Vorwärts- und Rückwärtslaufen gegen den Wasserwiderstand in hüfthohem Wasser. Lassen Sie sich dabei mit dem gesamten Körper leicht nach vorne fallen und achten Sie auf eine saubere Bewegungsausführung.

Am 10. bis 12. postoperativen Tag werden die Nähte entfernt.

Ziel: Bis zum 10. Tag nach Operation: volle aktive Streckung, aktive Beugung ohne Limitierung, Rückgang der Schwellung

 

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Weiterführende Literatur zum Thema:
Titel:
Therapie und Aufbautraining nach Sportverletzungen
Autoren:
Dieter Ehrich, Reinhard Gebel
Titel:
Muskuläres Aufbautraining in der Krankengymnastik und Rehabilitation
Autoren:
Thomas Einsingbach, Holger Lehmacher
Titel:
Funktionelles Kraftaufbautraining in der Rehabilitation
Autoren:
Jürgen Buchbauer, Kurt Steininger
Titel:
Die Knieschule. Selbsthilfe bei Kniebeschwerden.
Autoren:
Joachim Grifka
Das Erreichen der vollen Streckung und der Rückgang der Schwellung des Kniegelenkes sind die mit Abstand wichtigsten Ziele in den ersten zwei Wochen.
  1. Intensivierung der krankengymnastischen Übungen


  2. Beginn der Trainingstherapie


  3. Isokinetische Übungen (offenes System) sollten während der ersten drei Monate unterbleiben.